Michael Fitz - wenn i schaug

Wenn i schaug...
…heißt die neue Doppel-CD von Michael Fitz, die zwischen Herbst 2010 und Spätherbst 2011 entstanden ist. Mit satten 21 Stücken und einer Spielzeit von fast 90 Minuten ist es, „ein richtig dickes Ding“ geworden, „weil so viele Ideen da waren, die raus wollten”, sagt Fitz. Es ist sein erstes Studioalbum seit über drei Jahren und das insgesamt vierte in bayerischer Sprache nach „Solo-Live“ und seinen 8 hochdeutschen Alben bis 2001.
Bei “Wenn I schaug…” präsentiert sich Michael Fitz als versierter und einfallsreicher Gitarrist, der sich facettenreich verschiedenster Techniken und Spielarten bedient. Die Songs sind getragen von leisen, akustischen Tönen, doch immer wie-der wird es auch mal laut oder es gesellt sich ein kantiger, rauer und irritierender Tonfall dazu. Mal schnaufende Akkordeontöne, gelegentliche elektronische Soundwol-ken, subtile Pianotupfer, erdig trei-bende Percussion. Ein expressionistisch anmutendes Streichquartett auf “Zeit” oder sich überlagernde Flöten als ungewohntes Highlight im Zwischenteil von “Du siegst mi ned” .
Die Texte auf “Wenn I schaug…” zeigen unterschiedlichste emotionale Facetten von entwaffnender Ehrlichkeit, Treffsicherheit und nicht gekannter Intensität. Von kompromissloser Offenheit in “Dei bluad” und “De Hund” über ironischem und skurril hintergründigem Humor, wie in “120 Kilo Blau” oder “Da Dei-fi” bis hin zu unverhohlenem Sarkasmus in “Bscheissn”. Ganz hilflos, verwirrt und schier verloren ist er in “Weiß nich mehr” oder “Wenn I foi”. Eine tiefe Lust auf Annäherung, Sehnsucht nach Nähe oder gar Versöhnung findet ihren Ausdruck in “Wuist du mi no” , “ Wuid Zeltln” oder “Heut auf‘d Nacht”.
Dieses Doppelalbum ist eine anspruchsvolle, und manchmal anstrengende Berg- und Talfahrt durch die Höhen und Niederungen menschlicher Gefühle. Ein Kaleidoskop von Gemütszuständen und Befindlichkeiten, in dem sich Mann und Frau wiederfinden wird. Gerade durch die sparsame, minimalistische musikalische Grundstimmung bekommen die Songs Raum und Weite, auch für die markante Stimme von Fitz, mit all ihrem Krächzen, Grummeln und Raunen. Tür und Tor in sämtliche Richtungen wird hier geöffnet, um sich letztlich immer im Herzen des Zuhörers zu verbeißen und zu verankern.
“Ich will so nahe wie möglich ran-kommen an die Menschen, sie manches Mal gar mit einem heftigen Maß an Intimität herausfordern.” Um diesem Anspruch gerecht zu werden, zögert Michael Fitz nicht, sich selbst emotional “nackert” zu machen, wie er es selbst ausdrückt. Seelenstriptease sagen andere, dabei ist das lediglich die konsequent verfolgte Absicht, sich ganz und au-thentisch zu zeigen.
Mit Hans Steingen hat Michael Fitz für die Umsetzung und Verwirkli-chung seines Albums den perfekten Partner gefunden. Der Freund, Produzent, Arrangeur, Dirigent und Pianist zeichnet verantwortlich für die vielen zart gewebten Klangteppiche. Für die so minimalistisch wie wir-kungsvollen und dennoch oft subtilen und dezenten, da wo erforderlich aber auch lauten und zupackenden Arrangements, die diesen Songs nochmal eine ganz andere Qualität einhauchen. Mit feinem Gespür für das Essentielle und großem musikalischem Sachverstand hat er nur scheinbar Unwesentliches vorsichtig hinzu addiert und überflüssiges schlicht weg gelassen. Darin liegt auch die Schönheit dieses Album. Nichts ist überflüssig, Alles hat seinen Platz.
Eine ganze Riege von exzellenten, vornehmlich klassischen Orchestermusikern aus NRW trug mit großer Begeisterung und Leidenschaft dazu bei, kurioserweise ein bayrisches Mundartalbum mitten in Düsseldorf zu produzieren.
Eine aufwändige Buchhülle mit verschwenderisch gestaltetem 48 Sei-ten Booklet rundet das Album in optischer Hinsicht mehr als stimmig ab. Ölbilder von Fitz‘ Frau Karin und I-Phone-Wolken-Fotos von Michael
Fitz verschmelzen zu collageartigen Kompositionen, die zum Schauen und Sehen animieren und immer wieder neue Ebenen preis geben. Wenn man denn schaut.
Wer glaubt Michael Fitz würde bei so viel Arbeit in Sachen Musik auf seinen künstlerischen “Zweitberuf” verzichten, hat sich gründlich ge-täuscht. Auch 2011 stand der Ex-Tatort-Kommissar und zweifache Fernsehpreisträger fleißig vor der Kamera und wird uns 2012 gleich zweimal im Kino, als Wissenschaftler “Quentin Kirin” in der Enid Blyton-Buchverfilmung “Fünf Freunde” und als “Herzog Max in Bayern“ im opu-lenten Historien – und Kostümfilm „Ludwig II” begegnen. Natürlich wird er auch in diversen Fernsehproduktionen zu sehen sein, unter anderem mit Jutta Speidel und Heiner Lauterbach in „Die Doppelgängerin”. Michael Fitz präsentiert sein Album “Wenn I schaug...” 2012 live mit dem gleichnamigen Soloprogramm bei über 60 Auftritten in Bayern und dem Rest der Republik. Seinem Publikum ganz allein, lediglich mit Gitarre zu begegnen, ist dem sympathischen Münchner „immer wieder Herausforderung und Vergnügen gleichermaßen“.

VÖ: 
Mittwoch, März 2, 2011 (Ganztägig)
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