OIS CHICAGO

„A so a Hundling“ – vermutlich die höchste Stufe bayrischer Wertschätzung für einen Mann, der unerwartet etwas Besonderes zuwege gebracht hat. Was die Münchner Musikszene angeht, trifft das momentan wohl auf Niemanden besser
zu als auf Philipp (Phil) Höcketstaller. Mit seiner brandneuen Formation „Hundling“ hat sich der Vollblutmusiker beim „Heimatsound“-Wettbewerb des Bayerischen Rundfunks gegen über 200 Bands behauptet und ist mit seinem Song
„Probiert hod A’s“ als Sieger durchs Ziel gegangen. Grund genug für die Veröffentlichung des Songs auf dem aktuellen Doppel-CD-Sampler „Heimatsound-Vol.2“ (Sony Music) und die Zusage für ein Konzert beim Heimatsound-Festival in
Oberammergau. Mit der Veröffentlichung des Debüt-Albums krönt „Hundling“ nun das aufregende und erfolgreiche Jahr, wodurch, sehr zur Freude seiner stetig wachsenden Fangemeinde, aus einem „Probiert hod A’s“ ein „G’macht hod A’s“
wird.

Musikalische Erfahrung hat der Wahlmünchner mit niederbayrischen Wurzeln reichlich gesammelt in seiner neuen Heimat. Als Mitbegründer und Bassist bei Les Babacools wurden seine messerscharfen Bass-Riffs zum Markenzeichen der Band mit ihrer Mixtur aus Reggae, Raggamuffin, Ska, Funk und Latin. Sie spielten vor und neben etlichen Größen wie Fettes Brot, Blumentopf und Maceo Parker. Die Fun Lovin Criminals nehmen sie als Support-Act ebenso mit auf Tour wie Fishbone. Hunderte von
Konzerten im In- und Ausland schärften Phils Gespür für das, was beim Konzertpublikum ankommt.

Und genau das kommt ihm jetzt zugute. Nicht dem Trend, aber seiner inneren Stimme folgend drängt es ihn mehr und mehr danach, seine Textideen im Dialekt zu singen, obgleich er zu den großen Fans der Musik und der englischen Prosa u.a. von J.J. Cale und Tom Petty gehört. Er entscheidet sich für Bairisch, weil es für ihn „die Sprache ist, die seine Emotionen und Gedanken am direktesten umsetzt, alles näher und intensiver ist.“ Eindrucksvoll belegt wird dies durch seine enorme Bandbreite an lebensnahen Themen. Nach Motiven hierfür muss er nicht lange suchen, klaubt er diese doch einfach von der Straße, schaut den Menschen „aufs Maul“ oder zeigt sich politisch interessiert. Kein Wunder also, dass der Bogen weit gespannt wird:
Skuriles wie Männer, die glücklich geschieden sind („Es geht ma guat”), charmant-Grantiges („Da Hausmoasta”), Nachdenkliches über die oft zu hoch gesteckten Ziele im Leben („Gloane Sachan”), Brisantes wie die Zerstörung des Isentals oder die Gentrifizierung in München („Hans de Humme”) oder eine beschwingt-fröhliche Liebeserklärung an Phils Heimatstadt („Mei München”).

Das schnörkellose musikalische Gewand passt mit seinem bisweilen entspannten Tulsa-Sound à la J.J. Cale bestens zu der eher sensiblen als bayrisch-derben Wortwahl. Hundling bereichern die bairisch-sprachige Musiklandschaft mit ihrem Rock’n’Roll- und Folk-gefärbten Rhythm’n‘ Blues mit einer weiteren Facette. Phil Höcketstallers unspektakulären aber treffsicheren Beobachtungsgabe merkt man seine Erfahrung an. Zeile für Zeile, Note für Note. Immer mit Sympathie zu den Leuten, die er portraitiert, immer mit den passenden Farben für die Bilder, die er in seinem Kopf malt.
Die Band:
Phil Höcketstaller Git/Gesang
Simon Ass Bass
Flo Ass Drums
Max Keller Harp
Sebastian Osthold Keys
Klaus Reichardt Pedal Steel

VÖ: 
Freitag, Oktober 23, 2015 - 09:45
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